Jubiläum

Der Retter der historischen Bohnensorten

Text und Bilder: Doris Weber

Schäfermädle und Hexenröhrlinge – was Besucher rund um die Alamannenhalle erleben.

Lauchheim

Herbstzauber in Lauchheim. Die Alamannenhalle ist farbenfroh geschmückt. Strohballen flankieren den Eingang und leiten Besucher hinein in ein Mehr an Natur und Garten.  Es ist eine schier endlose Vielfalt, die beim Kreisobst- und Gartenbautag geboten wird. Beinahe zwanzig Aussteller tragen dazu bei. Darunter ein Jubilar – der Obst- und Gartenbauverein Lauchheim, der nicht nur 75 Jahre Vereinsgeschichte feiert, sondern sich auch noch als hervorragender Gastgeber und Ausrichter der Veranstaltung erweist.

Was es alles zu erleben gibt, begeistert Groß und Klein gleichermaßen. Da rieselt Korn durch Finger, an denen zuvor noch Reste leckeren Quittengelees klebten. „Das ist Emmer, eine der ältesten Getreidesorten überhaupt“, ist dabei zu erfahren. Mit historischem Saatgut beschäftigt sich auch Patrick Kaiser vom Genbänkle. „Das Schäfermädle habe ich durch Zufall entdeckt“, weiß er über eine Stangenbohne, die bei einer Familie über 150 Jahren gewachsen sei. Einen flockenstieligen Hexenröhrling hat der Pilzsachverständige Willy de Wit dabei. So wie andere giftige und ungiftige Pilzarten, um die sich die Menschen scharen.

In der Ecke knotet eine Besucherin aus meterlangen Wollsträngen eine Aufhängung für eine Vogeltränke. Es klackert – Kinder stehen gebannt an einem Glücksrad und freuen sich über die Kleinigkeit, die ihnen nach der Lösung eines Rätsels geboten wird. Um den richtigen Schwung geht es auch beim Deutschen Sensenverein.

Doris Brenner-Bawidamann hat vom Härtsfeld ein paar Äpfel nach Lauchheim mitgebracht und möchte von zwei Pomologen gerne die Sorten bestimmen lassen. Einer der Äpfel sorgt für etwas Stirnrunzeln. „Das ist eine Champagner-Renette“, befindet schließlich der Apfelkundler Markus Zehnder. Christian Baumgärtner hat es einfacher. „Der rötlich gestreifte ist ein Luik-Apfel“, benennt er die wohl bekannteste Sorte im Ländle.

Der Besucherstrom will am Sonntag kaum abreißen, so dass der OGV-Lauchheim vom Mittagstisch über Kaffee und Kuchen alle Hände voll zu tun hat. Kreisfachberaterin Christiane Karger ist voll des Lobes: „Der ganze Tag ist ein Höhepunkt für alle Beteiligten und Besucher.“

Voll wird es nochmals auf der Bühne, als am Nachmittag die Jugendgruppen ihre Ergebnisse der diesjährigen Aktion „Gemüse bunt und lecker – für alle Geschmäcker vorstellen dürfen.

Sigrid Erhardt, die Präsidentin des Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) ist bereits am Samstag zu Gast in Lauchheim. Beim Festabend anlässlich des 75-jährigen Bestehens des OGV-Lauchheim freut sie sich: „Sie haben einen wunderschönen Rahmen für ihr Jubiläum gewählt.“  Ein großes Kompliment richtet sie an die Jugendgruppe „Freche Früchtchen“. „Ihr leistet ganz tolle Arbeit. Macht weiter so.“

Dem Vorsitzenden des OGV-Lauchheim, Alfred Vetter, dankt die Präsidentin für 25 Jahre Vorstandschaft mit Verleihung des „Goldenen Apfels mit goldenem Kranz“ – als die höchste Auszeichnung des LOGL-Verbands. Für Unterhaltung sorgt Mundartautor Wilfried Albeck und für die musikalische Umrahmung „Akustik.3“.

 

Kreisfachberaterin Christiane Karger freute sich über die vielen Kinder und Jugendliche, die bei der Jahresaktion „Gemüse bunt und lecker – für alle Geschmäcker“ mitgemacht haben. © Doris Weber

 

Viel los war am Sonntagnachmittag beim Obst- und Gartentag in der Alamannenhalle in Lauchheim. © Doris Weber

 

Niklas und Tim zählen zu den älteren „Frechen Früchtchen“ des OGV-Lauchheim. Gleich am Eingang erzählen sie den Besuchern, was die Jugendgruppe über das Jahr hinweg treibt. © Doris Weber

 

Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung am Samstag, wo bei einem Rundgang die einzelnen Beiträge vorgestellt wurden. © Doris Weber

 

Bei Norbert Frick und Harald Schimmel vom OGV Unterschneidheim durften Jugendliche selbst Hand anlegen und ein Vogel- oder Igelhaus bauen. © Doris Weber

 

Doris Brenner-Bawidamann (re) will von den beiden Pomologen Markus Zehnder und Christian Baumgärtner (v. li.) wissen, um was es sich bei der mitgebrachten Apfelsorte handelt. © Doris Weber

 

Viele Kinder und Jugendliche haben sich bei der Jahresaktion „Gemüse bunt und lecker – für alle Geschmäcker“ beteiligt. Maria Sachs vom OGV-Lauchheim freute sich bei der Preisverleihung mit moderieren zu dürfen. © Doris Weber

 

Der Pilzsachverständige Willy de Wit hat drei Tage lang Pilze gesammelt. Am Obst- und Gartentag in Lauchheim sorgte dann manche Sorte für Überraschung. © Doris Weber

 

Mundartautor, Humorist und Gärtnermeister Wilfried Albeck sorgte bei einem Festabend am Samstag für gute Stimmung. © Doris Weber

 

Der Deutsche Sensenverein führte in die Kunst des Sensenmähens- und wetzens ein. © Doris Weber

 

v. li.: Die LOGL-Präsidentin Sigrid Erhardt durfte bei einem Festabend am Samstag Alfred Vetter zu 25- Jahre Vorstandstätigkeit beim OGV-Lauchheim den Goldenen Apfel am Goldenen Kranz überreichen. Mit im Bild sein Vize Karl-Peter Groß. © Doris Weber

 

Bei einer Bastelaktion mit Kürbissen gab es Hilfe durch die Eltern (wie hier) oder Obst- und Gartenbaufreunde. © Doris Weber

 

Musikalische Unterhaltung beim Festabend gab es durch „Akustik.3“. © Doris Weber

Mit roter Beete auf die Zielgerade

Text: Doris Weber

Wie sich die „Frechen Früchtchen“ des Obst- und Gartenbauverein Lauchheim auf die kreisweite Veranstaltung am 8. bis 9. Oktober in der Alamannenhalle vorbereitet haben. 

Lauchheim

Es wuselt beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Lauchheim. Jede Menge „Freche Früchtchen“ toben durch die Gartenanlage am Röttinger Bach, bevor sie sich nach ein paar Minuten einfangen lassen und mit wachsender Begeisterung ans Werk gehen.

Da wird geschält und geschnippelt, Kochtöpfe dampfen und Mixer laufen unter Volllast. Dazu vermischen große und kleine Kinder Rot mit Orange als würden sie den abendlichen Sonnenuntergang herbeischwören wollen.

Um was es dabei geht, erzählt Maria Sachs, eine von fünf engagierten Vereinsmitgliedern, die sich immer wieder etwas neues Spannendes für die wissbegierigen Jungen und Mädchen ausdenken. „In diesem Jahr hat unser Kreisverband für alle Jugendgruppen und Grundschulen die Jahresaktion „Gemüse bunt und lecker – für alle Geschmäcker“ ausgerufen. Dabei wurden uns von dem „Genbänkle“ – einem Netzwerk für Sortenretter – verschiedene Gemüsesamen zur Verfügung gestellt“, sagt Sachs.

„Wir von den „Frechen Früchtchen“ – so nennt sich die Jugendgruppe des OGV Lauchheim – haben für uns die Aktion „Bunte Möhren und bunte Beete“ daraus gemacht.“ So wurden mit den Pflanzenfarben Bienenwachstücher in Batiktechnik gestaltet oder mit dem Gemüse verschiedene Gerichte gekocht und getestet. „Die Rote-Beete-Erdbeer-Grütze sieht lecker aus“, freuen sich zwei Geschwister, noch während ein paar Jungs mit dem Kochlöffel in der Rote-Beete-Karottensuppe rühren.

Was der Besuch bei den „Frechen Früchtchen“ her gibt, macht Lust auf mehr. Das „Mehr“ ist der Kreisobst- und Gartenbautag am Samstag, 8., und Sonntag, 9. Oktober, anlässlich des 75-jährigen Bestehens des OGV Lauchheim. Der Endspurt läuft, denn nicht nur die „Frechen Früchtchen“, auch andere Jugendgruppen und Schulklassen aus der Region wollen ihre einzelnen Beiträge an einem Stand in der Alamannenhalle vorstellen. Dazu gibt es einen Querschnitt der Vereinsarbeit in den verschiedenen Obst- und Gartenbauvereinen, der Gartenfreunde und Fachwarte im Altkreis Aalen.

Ausstellungseröffnung ist am Samstag, 8. Oktober, um 17.30 Uhr mit anschließendem Festabend. Am Sonntag, 9. Oktober, präsentieren von 10 bis 18 Uhr Vereine und externe Aussteller ihre Ausstellungsbeiträge. Ab 11 Uhr gibt es einen Mittagstisch, Kaffee mit Kuchen, Waffeln und Apfelmus. Zwei Pomologen werden ab 14 Uhr eine Apfelsortenbestimmung vornehmen. Um 16 Uhr wird es spannend. Dann nämlich werden die Jugendbeiträge vorgestellt und es kommt zu einer Preisverleihung.

OGV feiert 75-jähriges Jubiläum

Text und Titelbild: Doris Weber

Wie der Obst- und Gartenbauverein Lauchheim mit frischen Ideen Generationen verbindet und Gemeinschaft stärkt: Alt und jung zusammen, stets aktiv in der Natur. 

Lauchheim 

Die Nachkriegsjahre brachte die Menschen zusammen. Eine Kartoffelkäfer- und Engerling-Plage zog über das Land und eine Hungersnot war zu befürchten. Um den gefräßigen Schädlingen beizukommen, suchten viele Freiwillige und ganze Schulklassen die Felder nach ihnen ab. Die Bedrohung war dramatisch. Aus der Notwendigkeit gegen die Schädlinge vorzugehen, entstand so am 12. Februar 1947 der Obstbauverein Lauchheim.

Soweit zu den ersten Zielen eines Vereins, aus dem schließlich der Obst- und Gartenbauverein Lauchheim e.V. (OGV)  hervorging. Im Wandel der Zeit haben sich die Aufgaben geändert. „Heute sind wir bestrebt, der interessierten Bevölkerung das Thema Obst- und Gartenbau näher zu bringen“, sagt Vorstand Alfred Vetter im Gespräch mit der SchwäPo. Thematisiert würden der Anbau von Bio-Obst und -Gemüse im eigenen Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse, eine insektengerechte Gartengestaltung sowie trockenheitsverträgliche Stauden.

Eine gute Basis bietet die Gartenanlage am Röttinger Bach, die rechtzeitig zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1997 eingeweiht werden konnte. Dort lädt der OGV alljährlich bei einer Hocketse zum gemütlichen Beisammensein ein und es gibt Informationsstände sowie Einblicke in die obst- und gartenbaulichen Tätigkeiten der Mitglieder.

Über das Jahr verteilt finden zahlreiche Aktionen statt, wie der kommunale Obstbaumschnitt, Schnittkurse, Gartenbesuche bei Vereinsmitgliedern, interessante Vorträge oder der Blumenschmuckwettbewerb. Beliebt sind auch die Vereinsausflüge, die von Jung und Alt gleichermaßen gut angenommen werden.

„Ein wichtiger Teil unserer Vereinsarbeit sind die „Frechen Früchtchen“, so Vetter, der davon weiß, wie sich die Gruppe im Jahr 2006 gefunden hat. „Die Idee einiger engagierten Mitglieder war, das Interesse der Kinder und Jugendlichen an der Natur zu wecken und zu erhalten.“ So gebe es zu unterschiedlichen Sachgebieten verschiedenste Aktionen. Im Frühjahr werde gesät oder gepflanzt und im Herbst stehe die Ernte an. „Dann wird aus den geernteten Früchten, sei es Obst oder Gemüse, etwas gekocht oder gebacken.“

Mit ein Höhepunkt ist das Mahlen und Pressen von reifen Äpfeln oder Quitten. Nicht selten hilft der 85-jährige Horst Engel dann an der vereinseigenen Saftpresse mit. Wir fragen, warum er das macht. „Mir war es schon immer wichtig, den jungen Menschen eigene Erfahrungswerte zu übermitteln und Wissen weiterzugeben“, so der Senior.

Vetter freut‘s: „Damit leben wir generationenübergreifende Gemeinschaft und stärken die Jugendarbeit.“ Nicht zuletzt resultierten daraus schon viele erste Preise und Auszeichnungen bei landesweiten Wettbewerben des  Landesverbandes.

Inzwischen zählt der OGV über 250 fleißige Mitglieder und ein Jubiläum steht an. „75 Jahre – für die Menschheit eine kleine Zeitspanne, für einen Verein ein großer Schritt.“ Das soll gebührend gefeiert werden durch ein besonderes Fest am 08. und 09. Oktober 2022 verbunden mit dem Kreisobst- und Gartenbautag in der neuen Alamannenhalle.

Das Programm in Kurzfassung:

Eröffnung ist am Samstag, den 8. Oktober um 17.30 Uhr. Ab 19 Uhr findet ein Schwäbischer Festabend mit Mundartautor, Humorist und Gärtnermeister Wilfried Albeck statt. Für musikalische Unterhaltung sorgt „Akustik.3“. Anmeldungen für ein Schwäbisches Buffet vom Landgasthaus Kreuz Dirgenheim bis zum 30. September unter (07363) 3663 oder (07363) 3535 erbeten. Am Sonntag, 9. Oktober werden von 10 bis 18 Uhr die Ausstellungsbeiträge präsentiert, es gibt Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, eine Apfelsortenbestimmung sowie Vorstellung der Jugendbeiträge.

 

Die „Frechen Früchtchen“ des OGV Lauchheim haben schon viele Preise abgeräumt. Rekordverdächtig ist auch deren XXL-Bank. © Privat

 

Das Apfelsaftfest ist ein absolutes Highlight. © Privat